Wie der Ebersberger Schildbürgerrat Windräder baute

Im Süden Deutschlands gab es ein Stück Land, das Ebersberg hieß. Seine Bewohner hatten Vertreter bestimmt, die sich zum Beraten im Kreis trafen und diese Beratungen galten den verschiedensten Angelegenheiten des Landes.
Eines Tages kam dem Rat die Idee, dass man in Ebersberg Windräder bauen solle. Denn in anderen Gegenden hatte man diese Räder bereits in großer Zahl errichtet und man hörte viel Gutes davon. Der Rat freute sich gemeinsam über diese kluge Idee. Die Energie, die diese Windräder erzeugten, war sauber, denn es verbrannte und verstrahlte dabei nichts.

Und die Bewohner von Ebersberg freuten sich auch, denn nun würde man Windräder bauen. Man würde sie dort errichten, wo man die Energie brauchte und wo der Wind unentwegt blies. Man würde den ungenutzten Platz nutzen und die Energie leicht ins das Energienetz einspeisen können. Man würde Rücksicht nehmen auf die Tiere des Landes, vor allem die fliegenden Tiere, die manchmal schwer von den Rotorblättern der Windräder getroffen wurden, wie man aus anderen Ländern wusste.
Überhaupt wusste man viel davon aus anderen Ländern, wo diese schon lange standen. Es war nicht einfach, einen guten Standort zu finden, denn die Windräder waren sehr häßlich und ihr stetiges Summen war auch nicht gut zu ertragen.
Der Rat in Ebersberg musste also einen guten Ort für die Windräder finden und begann, die Gründe für den einen Ort gegen die Gründe für einen anderen abzuwägen. Viele Orte bedachte man. Wie schwer wäre die Entscheidung geworden, hätten sich weniger kluge Räte damit befassen müssen!
So traten also die Ebersberger Räte zur Entscheidung in den Kreis und bald tanzten sie vor Freude, so dass ihre bunten Kleider nur so flogen, die roten und orangefarbenen Kleider, die blauen und gelben, aber ganz besonders die grünen.
Denn man hatte zusammen den absolut besten Ort für die Windräder gefunden:

Man stellte sie hinein in die größte zusammenhängende Waldfläche, die man weit und breit finden konnte. Es war ein Jahrhunderte altes Landschaftsschutzgebiet, in dem viele Tiere nisteten und wohnten und in dem sich auch sehr selten gewordene Tiere ungestört fortpflanzen konnten.
Der Rat merkte schon, dass es dort im Wald zwar eigentlich nicht besonders viel Wind gab, aber dafür bauten sie die Windräder besonders hoch und stellten sie besonders tief und entfernt hinein.
Nur einmal, als man sah, wie breit die Schneisen waren, die sie für die Windräder in den Wald schlagen mussten, da wurde allen kurz flau ums Herz, aber schnell erinnerte man sich wieder daran, wie klug der Rat war und wie gut der Standort doch gewählt war. Und so baute man endlich die Windräder mitten in den schönen, großen Wald und erfreute sich daran, wie klug alle waren.

Da kamen eines Tages die Schildbürger des Wegs, das sind, wie man weiß, die Bürger aus der Stadt Schilda, die sich ob ihrer Dummheit und Seltsamkeit, alles wörtlich zu nehmen, einen legendären Ruf erworben hatten.
Und die Schildbürger sagten zu den Bewohnern von Ebersberg:
„Sagt mal, ihr guten Leute, wir haben auch diese Windräder bei uns in Schilda, aber bei uns stehen sie dort, wo der Wind pfeift, auf dem Hügel. Gibt es einen Grund, weshalb ihr eure mitten in den Wald gestellt habt?“
“Ja”, sagten die Ebersberger, “diesen Ort hat unser Rat gefunden, weil er so klug ist, und so ist unser Wald der beste Ort, den man sich nur denken kann.
Wir wollen damit ein Zeichen setzen, damit alle im Land davon erfahren und es uns gleichtun.”
Und sie deuteten auf den riesigen Berg an uraltem Holz, den sie neben dem Wald aufgeschichtet hatten und der eine Fläche bedeckte, die keiner ihrer Bauern an einem Tag bestellen konnte und sagten “Dieses Holz können wir doch leicht an anderer Stelle wieder wachsen lassen, was für einen Unterschied soll das schon machen?
Und was fragt ihr überhaupt so dumm, ihr Schildbürger! Wir haben das für euch gemacht, denn für euch ist er doch auch, unser sauberer Waldstrom!”
Da lachten die Schildbürger und freuten sich, denn nun waren sie wahrlich nicht mehr die dümmsten Bürger im Land.

Dieses Märchen gibt nur meinen Eindruck der betreffenden Gegebenheiten wieder und zielt nicht darauf ab, involvierte Personen persönlich anzugreifen.