Präoperative Angst reduzieren: Was in den letzten Minuten vor der Narkose wirklich zählt

Fünf Minuten vor der Narkoseeinleitung entscheiden Worte und Körpersprache über Cortisol, Blutdruck und Heilungsverlauf. Warum präoperative Angst reduzieren genauso pharmakologisch wirkt wie Midazolam, und welche konkreten Techniken helfen, erklärt Chirurg Hagen Tillger aus dem Alltag seiner Münchner Praxis.

Fünf Minuten, die über den Heilungsverlauf entscheiden

Die OP-Schleuse riecht nach Desinfektionsmittel und kaltem Metall. Florian, zwanzig Jahre alt, Automechaniker aus dem Münchner Umland, liegt auf dem Rollbett und starrt an die Decke. Er hat schon Motorblöcke gewechselt, hat Bremssättel zerlegt, hat sich nie beschwert. Jetzt zittert seine Hand unter dem Abdecktuch. In sieben Minuten gehen wir rein. Sein Blutdruck: 158/95. Ruhepuls: 94. Noch vor zwei Stunden war er bei 120/78. Was ist in dieser Stunde zwischen Prämedikation und Einleitung passiert? Nichts Dramatisches. Nur die Zeit. Und ein paar falsche Sätze eines gut meinenden Kollegen.

Die präoperative Phase ist in der klinischen Praxis oft das Stiefkind der Planung. Aufklärungsgespräch: abgehakt. Einverständnis: unterschrieben. Narkosevorbesprechung: erledigt. Was danach kommt, die Minuten im Wartebereich, das Fahren im Bett durch lange Gänge, der erste Blick in den Operationssaal, gilt häufig als logistisches Problem, nicht als medizinisches. Das ist ein Fehler. Was in diesen letzten Minuten vor dem Eingriff passiert, beeinflusst nachweislich den Verlauf der Anästhesie, den intraoperativen Schmerzmittelverbrauch, die postoperative Erholung und die Patientenzufriedenheit.

Cortisol, Adrenalin, Skalpell: Die Neurobiologie der Wartezeit

Angst ist kein abstraktes Gefühl, sondern eine körperliche Reaktion. Das Zentrum zur Verarbeitung von Angst im Gehirn – die Amygdala – wird aktiviert, der Hypothalamus (eine Schnittstelle zwischen Nerven und Hormonen im Zwischenhirn) entlässt über die die HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) Cortisol und Adrenalin ins Blut. Das Ergebnis ist ein Organismus im Überlebensmodus: Die Herzfrequenz steigt, es kommt zu einer Gefäßverengung und gesteigerten Neigung zur Blutgerinnung sowie zu einer Suppression des Immunsystems. Für einen Chirurgen bedeutet das konkret eine schlechtere Gewebedurchblutung, ein erhöhtes Blutungsrisiko durch stressinduzierte Plättchenaktivierung und Patient:innen, die mehr Narkosemittel benötigen, da ihr sympathisches Nervensystem stark aktiv ist.

Dazu kommt der psychologische Mechanismus der antizipativen Angst, also die Angst vor dem, was man sich vorstellt, nicht vor dem, was tatsächlich passiert. Das Gehirn unterscheidet nicht sauber zwischen realer und vorgestellter Bedrohung. Florian hat noch nie eine Vollnarkose gehabt. Er hat dafür schon einmal gehört, dass „jemand jemanden kennt, der nicht mehr aufgewacht ist.“ Das ist sein Referenzrahmen. Dagegen arbeite ich.

Worte, die Angst machen: Sätze, die gut gemeint und kontraproduktiv sind

Sprache in der präoperativen Phase ist nicht neutral. Sie ist entweder anxiolytisch, also angstauflösend oder anxiogen, also angstauslösend. Es gibt keinen Mittelweg.
Klassiker, die ich in zwanzig Jahren Klinik unzählige Male gehört habe und die ich für aktiv schädlich halte:

Machen Sie sich keine Sorgen, das ist ein Routineeingriff.

Für die Patient:innen ist es das nicht. Für sie ist es der einzige Eingriff ihres Lebens. Der Satz signalisiert: Deine Angst ist unangemessen. Das Gegenteil von Beruhigung.

Wir machen das jeden Tag fünfmal.

Subtext: Du bist Nummer fünf. Routinierung des Leidens des anderen schafft emotionale Distanz, keine Sicherheit.

Das tut nicht weh.

„nicht“ ist eine Lüge. Patient:innen wissen das. Wer sie anlügt, verliert ihr Vertrauen, und das genau dann, wenn sie es am dringendsten brauchen.

Was hingegen tatsächlich hilft, ist weniger intuitiv. Es geht nicht darum, die Angst wegzureden, sondern sie anzuerkennen und dann konkret umzuleiten.

Prozedurale Information und das Gefühl von Kontrolle als Anxiolytikum (angstlösendes Mittel)

Florian liegt auf dem Rollbett und ich beuge mich zu ihm. Ich stehe bewusst nicht über ihm, er muss nicht von unten zu mir aufblicken. Augenkontakt auf gleicher Höhe. „Sie wirken angespannt.“ Keine Frage. Eine Beobachtung. Er nickt. „Das ergibt Sinn. Sie kennen das hier nicht, Sie wissen nicht genau, was auf Sie zukommt. Das ist der aufregendste Teil, die Wartezeit.“ Pause. „Ich erkläre Ihnen jetzt Schritt für Schritt, was in den nächsten zwanzig Minuten passiert. Dann wissen Sie , was kommt.“

Was ich da tue, hat einen Namen: prozedurale Information. Patient:innen, die wissen, was als Nächstes passiert, haben messbar niedrigere Cortisolspiegel als Patient:innen, die nur über den Eingriff selbst informiert wurden. Die Studie von Egbert et al. aus dem Jahr 1964, ja, 1964, war eine der ersten, die zeigte, dass präoperative psychologische Vorbereitung den postoperativen Schmerzmittelverbrauch signifikant senkt. Seitdem wurde das vielfach repliziert. Wir wissen es. Wir machen es trotzdem selten systematisch.

Der zweite Schlüsselmechanismus ist das Erleben von Kontrolle. Angst ist immer auch Kontrollverlust. Der Patient liegt, ist entkleidet, umgeben von Fremden, in einer fremden Umgebung, mit einem Körper, der gleich unter Narkose gesetzt wird. Alles schreit: Du hast keine Kontrolle. Dem entgegenzuwirken geht über kleine Angebote: „Sie können mir jederzeit sagen, wenn Sie kurz stoppen möchten.“ Oder: „Wenn Sie wollen, atme ich kurz mit Ihnen zusammen.“ Das klingt banal. Ist es aber nicht.

Körpersprache vor der Narkose: Was Patienten sehen, bevor ein Wort fällt

Worte sind die Spitze des Eisbergs. Was Patient:innen wahrnehmen, lange bevor ein Satz gesprochen wird, sind Körpersprache, Tempo, Blickkontakt, Berührung.

Ein chirurgisches Team, das ohne aufzuschauen in atemlosen Schritten durch den Vorbereitungsraum hetzt, teilt körpersprachlich mit: „Wir haben keine Zeit für dich! Du bist nur ein Teil eines Arbeitsablaufs.” Das Cortisol der Patient:innen steigt, ohne dass ein Wort gefallen ist.

Berührung ist ein unterschätztes Mittel. Eine Hand auf dem Unterarm, ruhig und ohne Eile, aktiviert das parasympathische Nervensystem. Die Herzfrequenz sinkt. Nicht dramatisch, aber messbar. In einer Metaanalyse von Vagnoli et al. (2010) über angstreduzierende Maßnahmen bei Kindern vor Operationen war taktiler Kontakt einer der robustesten Vorhersagefaktoren für niedrige Werte auf einer Angstskala. Bei Erwachsenen ist die Datenlage dünner, die Physiologie jedoch dieselbe.

Auch das Tempo ist eine nonverbale Information. Wer langsam spricht, signalisiert: „Ich habe Zeit für dich.” Das ist keine Naivität – ich habe oft keine Zeit. Aber zwanzig Sekunden ruhiges Sprechen sind es ganz sicher wert, einer Patientin oder einem Patienten die Angst zu nehmen.

Patientensprache statt Fachbegriffe: Warum die richtige Metapher beruhigt

Zurück zu Florian. Er repariert Autos. Er versteht Systeme. Ich erkläre ihm die Narkose nicht als magisches Einschlafen, sondern als kontrollierten Prozess: „Wir senken Ihr Bewusstsein gezielt ab, wie mit einem Dimmer. Die Maschinen messen währenddessen alles: Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Blutdruck. Jemand schaut die ganze Zeit auf diese Messwerte, sodass Sie jederzeit überwacht werden, während Sie in Narkose sind.“
Er entspannt sich sichtbar. Nicht, weil das alles neu für ihn wäre, Sondern weil ich seine Sprache spreche, seine Metaphern verwende und seine Logik nachvollziehe. Das ist keine Manipulation, sondern sprachliche Empathie. Patient:innen wollen keine Lehrbucherklärungen. Sie wollen das Gefühl, verstanden zu werden.

Florians Blutdruck, zehn Minuten nach diesem Gespräch: 138/84. Immer noch erhöht, aber auf dem Weg nach unten. Wir leiten ein.

Strukturelles Problem, kein Charakterfehler: Warum gute Kommunikation im OP-Alltag scheitert

Das Problem ist strukturell und nicht charakterlich bedingt. Das Pflegepersonal ist überlastet. Das ärztliche Personal hat zu viele Patient:innen. Das System ist auf Durchlaufzeiten optimiert, nicht auf die präoperative Angstreduktion. Wer im Stundentakt Patient:innen ein- und ausschleust, hat keine Zeit für ein ruhiges Gespräch. Wer seit sechs Stunden auf den Beinen ist, hat nicht mehr die erforderliche Energie, um sich einzufühlen und die richtigen Worte zu finden.

Zudem fehlt vielerorts ein systematisches Training in präoperativer Kommunikation. Chirurgen lernen, wie man operiert. Anästhesisten lernen, wie man Narkosen steuert. Dass die Worte, die fünf Minuten vor der Einleitung fallen, ebenso pharmakologisch wirken wie zwei Milligramm Midazolam, steht in keinem Curriculum, das ich kenne.

Dabei ist die Evidenz eindeutig: Präoperative Angst ist eine unabhängige Vorhersagevariable für postoperative Schmerzen, für Übelkeit, für längere Krankenhausaufenthalte und für schlechtere Patientenzufriedenheit.

Sechs Prinzipien für die letzten Minuten vor dem Eingriff

Was lässt sich, jenseits aller Theorie, konkret tun? Erstens: Augenhöhe herstellen, buchstäblich. Nicht über die Patient:innen sprechen, zu ihnen sprechen. Zweitens: prozedurale Information geben, was passiert jetzt, was kommt als Nächstes, was werden die Patient:innen fühlen. Drittens: Angst benennen, ohne sie zu bewerten. „Es ist normal, dass Sie nervös sind“ ist ein anderer Satz als „Sie müssen keine Angst haben.“ Viertens: Kontrollangebote machen, klein, aber real. Fünftens: Tempo reduzieren, zumindest in der Wahrnehmung der Patient:innen. Wer ruhig wirkt, erzeugt Ruhe.

Und sechstens, das ist der Punkt, der am schwersten fällt: Nicht jede Stille füllen. Manchmal ist Schweigen die beste Intervention. Ein ruhiges Nicken, eine Hand auf dem Arm, keine weiteren Worte. Florian brauchte am Ende nicht mehr von mir zu hören. Er brauchte jemanden, der daneben steht und nicht wegläuft.

Die Operation beginnt vor dem ersten Schnitt

Operationen beginnen nicht mit dem ersten Schnitt. Sie beginnen mit dem ersten Blickkontakt im Vorbereitungsraum. Alles, was dort passiert, ist Medizin. Wir sollten aufhören, es als Smalltalk zu behandeln.

Florian kam drei Wochen später zur Nachkontrolle. Sein Nabel war gut verheilt, der Verlauf komplikationslos. Auf meine Frage, wie er den OP-Tag erlebt habe, erzählte er nicht vom Eingriff, nicht vom Aufwachraum. Er sagte: “Entscheidend war, dass ich keine Angst hatte, und am meisten geholfen hat mir unser Gespräch vorher. Dass Sie mir erklärt haben, was passiert.“

Das kostet nichts. Es dauert fünf Minuten. Es ist trotzdem selten.

Quellen:

Vagnoli L, Caprilli S, Robiglio A, Messeri A. Clown doctors as a treatment for preoperative anxiety in children: a randomized, prospective study. Pediatrics. 2005 Oct;

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16199685/

EGBERT LD, BATTIT GE, WELCH CE, BARTLETT MK. REDUCTION OF POSTOPERATIVE PAIN BY ENCOURAGEMENT AND INSTRUCTION OF PATIENTS. A STUDY OF DOCTOR-PATIENT RAPPORT. N Engl J Med. 1964 Apr 16;270:825-7. doi: 10.1056/NEJM196404162701606. PMID: 14108087.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/14108087/

S3-Leitlinie Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen (AWMF)

https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/001-025

Robinson Crusoe im Schockraum: Wie TeamSTEPPS Leben rettet

Vier Menschen stranden auf einer Insel – und scheitern nicht am Hunger, sondern an schlechter Kommunikation. Was das mit Schockraum und
OP zu tun hat, zeigt dieser Artikel.

Was hat ein Schiffbruch mit der Kommunikation im medizinischen Team zu tun? Auf den ersten Blick: nichts. Doch wenn Menschen unter Druck zusammenarbeiten müssen, entscheidet genau diese Kommunikation im medizinischen Team darüber, ob sie scheitern oder erfolgreich handeln. Dieser Artikel zeigt anhand einer Geschichte, wie fehlende Kommunikation im medizinischen Team zu Fehlern führt – und wie strukurierte Methoden wie TeamSTEPPS helfen können, genau das zu verhindern.

Teil I – Die verfluchte Insel – Teamversagen und fehlende Kommunikation

Das Lied und sein jähes Ende – Emotionale Belastung und Resilienz im Team

Aus voller Kehle brüllte der Zimmermann Edward das Seemannslied heraus, während er seine Augen zusammengekniffen hielt, und ich war mir nicht sicher, ob sich zu dem Regenwasser, das seine Wangen herabrann, nicht auch Tränen mischten. Auch ich sang die vertrauten Worte zu der Melodie mit. Sie schien mir jetzt aus einer anderen Welt zu stammen. Ich merkte, wie das gemeinsame Singen meine Zuversicht wieder wachsen ließ.

Vergangene Nacht wurde uns wieder klar, was wir alle vermissten. Es waren nicht nur unsere Familien, die wir vielleicht nie wiedersehen würden. Auch unsere engen Kojen unter Deck mit den stinkenden, verdreckten Zudecken erschienen uns jetzt als purer Luxus. Von besonders weichen Matratzen oder Federkissen träumte unter uns Seeleuten hier ohnehin niemand. Wir mussten jetzt nur überleben, Tag für Tag, und dabei die Hoffnung nicht verlieren, doch irgendwann gerettet zu werden. Wir brauchten nur ein dichtes Dach über dem Kopf, das uns vor Nässe schützte, und irgendetwas Essbares, egal, wie es schmeckte oder ob es genießbar war, nur um den nagenden Hunger zu vertreiben.

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COVID-19 Auswirkungen auf das Gehirn

COVID-19 Auswirkungen auf das Gehirn sind real: Eine große britische Studie zeigt, dass eine Infektion Denkvermögen, Konzentration und Problemlösung messbar verschlechtern kann – teils wie 10 Jahre Alterung.

Ein Teufelskreis der dummen Art: COVID-19 Auswirkungen auf das Gehirn verstehen

Wahn statt Wissenschaft – Der Preis der Wissenschaftsverachtung

Die Auswirkungen von COVID-19 auf das Gehirn sind längst kein Randthema mehr, sondern ein zentrales medizinisches Problem. Studien zeigen, dass eine COVID-19-Infektion die geistige Leistungsfähigkeit messbar beeinträchtigen kann – von verlangsamtem Denken und Konzentrationsstörungen bis hin zu kognitiven Defiziten, die auch Monate nach der Erkrankung bestehen bleiben. Besonders im Zusammenhang mit Long COVID wird deutlich, dass nicht Impfungen, sondern die Infektion selbst ein reales Risiko für das Gehirn darstellt – selbst nach milden Krankheitsverläufen.

In den USA sitzen derzeit Gegner von Wissenschaft und logischen Analyse am Ruder, und die Medizin spürt die Folgen auf schmerzhafte Weise. Klinische Studien werden gestoppt, Daten verändert, Experten treten zurück, und die Qualität wie auch die Menge wissenschaftlicher Forschung drohen erheblich zu sinken. Wenn man bedenkt, dass jährlich rund 265.000 Fachartikel aus den USA erscheinen – zum Vergleich: Europa bringt 100.000 bis 200.000, China etwa 250.000 Artikel heraus – wird klar, wie stark dies die weltweite medizinische Führungsrolle beeinträchtigen könnte. Solche Eingriffe in die Forschung sind nicht nur dumm, sondern gefährlich, denn sie behindern Erkenntnisse, die Menschenleben retten können.

Ein anschauliches Beispiel dafür ist Robert F. Kennedy Jr., US-Gesundheitsminister und Impfgegner, der die Behauptung verbreitete, eine Impfung könne innerhalb weniger Monate das Gehirn zerstören. Die Realität sieht glücklicherweise gegenteilig aus: Eine englische Studie zeigt, dass nicht die Geimpften, sondern die COVID-19-Erkrankung selbst ein Risiko für kognitive Defizite darstellt – selbst nach milden Krankheitsverläufen. Wer sich vor der Erkrankung schützt, schützt also nicht nur seinen Körper, sondern auch sein Gehirn.

COVID-19 und das verlangsamte Gehirn

Seit Beginn der Pandemie berichteten Menschen von anhaltenden Symptomen, die weit über die akute Infektion hinausgingen. Begriffe wie „Long COVID“ oder „Brain Fog“ fassen ein Phänomen zusammen, das sich durch Konzentrationsschwierigkeiten, Wortfindungsprobleme, Desorientierung und Energielosigkeit äußert. Frühere Fallstudien deuteten darauf hin, dass COVID-19 das Gehirn auf vielfältige Weise schädigen kann: Schlaganfälle, Entzündungen, Mikroblutungen oder Autoimmunreaktionen sind nur einige Beispiele. Besonders rätselhaft war lange, ob auch Menschen mit milden Krankheitsverläufen, die zu Hause behandelt wurden und keinen Krankenhausaufenthalt benötigten, kognitive Einschränkungen aufweisen. Um dies zu klären, benötigte es groß angelegte Studien, die objektive Tests einsetzten, um die Gehirnfunktion in verschiedenen Bereichen zu messen, von Gedächtnis über Aufmerksamkeit bis hin zu logischem Denken. Die Herausforderung bestand darin, dass die Infektion unvorhersehbar verläuft, Längsschnittdaten selten sind und viele Faktoren wie Alter, Bildung, Vorerkrankungen oder psychische Belastungen die Ergebnisse verfälschen könnten.

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Singen gegen SARS-CoV-2 – aber ohne Ansteckung!

Singen stärkt die Lunge, das Immunsystem und führt zu Glücksgefühlen. Ein perfektes Mittel gegen die Coronainfektion. Doch welche Sicherheitsabstände gelten beim Musizieren?

Was hat Singen und Musizieren mit der Gesundheit zu tun?

Singen gegen das SARS-CoV-2? Geht das?
Singen und Musizieren hat nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf unsere Stimmungen und Gefühle.
Singen hat auch enorme Auswirkungen auf die Gesundheit selbst und viele Studien befassen sich damit.
Und viele dieser Studien bestätigen tatsächlich, dass Singen und Musizieren einen positiven Effekt auf physiologische Abläufe im Menschen hat.
Es führt beispielsweise unmittelbar zu Veränderungen an den beim Singen aktiven Muskelgruppen und an der Lungenfunktion. So verbessert das Singen verschiedene Lungenerkrankungen, darunter auch das Asthma.
Aber Singen wirkt auch auf hormoneller Ebene. Es beeinflusst unter anderem Neurotransmitter, erhöht die Konzentration von Immunglobulin A, Oxytocin und Endorphinen im Blut und reduziert auf diese Weise Schmerzen, führt zu Glücksgefühlen und stärkt das Immunsystem.

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Does your mask help against a virus infection?

What should be taken into account when manufacturing mouth and nose masks? When does a fabric mask really protect and when is it completely useless?

Now everyone needs a mouth and nose mask

In Bavaria, all citizens must wear masks on public transport and in shops
Since 27.04 2020, the wearing of mouth and nose masks has been mandatory in Bavaria in local public transport and shops.
The decree of the Bavarian state government explicitly states that the public should not wear medical masks, but so-called „community masks“ made of cloth or even a scarf worn over the mouth and nose.
So many citizens now ask themselves the question of what material the mask they are to buy or make should be made.
One can already see offers and advertising for protective masks everywhere. They offer models made of different materials and some with exchangeable filters.
Handicraft instructions make the rounds, skilled craftsmen provide themselves, relatives and friends with self-sewn masks.

But does every mask fulfil its purpose? What purpose can be fulfilled at all? What does it depend on? Which material should be used? What do you have to pay attention to?

Everyone wears an available mask by now. But one should also understand how oronasal masks work in connection with the droplet infection of the corona virus. This article is intended to help with this. In this article we will talk about the basics of the virus infection via the air we breathe and the characteristics of the different masks. At the end I will go into the question of a suitable mask and the right behaviour. So it becomes clear to everyone if the own mask is sufficient or if it is better to change to another model.

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Hilft deine Maske gegen eine Virusansteckung?

Worauf ist beim Herstellen von Mund- Nasemasken zu achten? Wann schützt eine Stoffmaske wirklich und wann ist sie völlig nutzlos?

Jetzt braucht jeder eine Mund-Nasenmaske

Seit dem 27.04 2020 ist in Bayern das Tragen von Mund- und Nasenmasken im Öffentlichen Personennahverkehr und den Geschäften verpflichtend.
In der Verordnung der bayerischen Staatsregierung wird ausgeführt, dass die Öffentlichkeit ausdrücklich keine medizinischen Masken tragen soll, sondern sogenannte “Communitymasken” aus Textil oder auch nur einen über Mund und Nase getragenen Schal.
Viele Bürgerinnen und Bürger stellen sich nun also die Frage, aus welchem Stoff die Maske bestehen soll, die sie sich kaufen oder herstellen sollen.
Schon sieht man allerorts Angebote und Werbung für besonders schützende Masken. Man bekommt Modelle aus verschiedensten Materialien und zum Teil mit auswechselbaren Filtern angeboten.
Bastelanleitungen machen die Runde; handwerklich geschickte Menschen versorgen sich, Verwandte und Freunde mit selbst genähten Masken.

Doch erfüllt jede Maske ihren Zweck? Welcher Zweck kann überhaupt erfüllt werden? Auf was kommt es an? Welches Material sollte verwendet werden? Auf was muss man überhaupt achten?

Jeder trägt inzwischen eine verfügbare Maske. Doch sollte man auch verstehen, wie Mund- Nasenmasken im Zusammenhang mit der Tröpfcheninfektion des Coronavirus funktionieren. Hierbei hilft dieser Artikel. Ich spreche über die Grundlagen der Virusansteckung, über die Atemluft und die Eigenschaften der verschiedenen Masken. Am Ende gehe ich auf die Frage nach einer geeigneten Maske und dem richtigen Verhalten ein. So wird jedem klar, ob die eigene bisherige Maske ausreicht oder ob man lieber auf ein anderes Modell wechseln sollte.

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Saubere Hände? Gar nicht so einfach!

Die Qualität der Händedesinfektion hängt maßgeblich von der erlernten Technik ab. Bringt ein Standard Vorteile?

Händewaschen für Anfänger

Was eigentlich schon immer zur wiederholten täglichen Hygiene gehören sollte, ist aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie zur Zeit in allen Medien zu lesen und zu hören: “Waschen Sie sich die Hände gründlich mit warmem Wasser und Seife!” Klingt doch eigentlich ganz einfach – oder? Aber was heißt eigentlich gründlich? „Saubere Hände? Gar nicht so einfach!“ weiterlesen

Was Nüsse, Gemüse, Obst, Münzen und Sportbälle gemeinsam haben – Chirurgische Größenvergleiche

Abstrakte Größenangaben kann der Mensch nur schlecht in eine Vorstellung übersetzen. Daher behilft man sich in der Chirurgie oft mit Vergleichen.

Ein Zentimeter mehr ist zu viel?

„4 cm x 3 cm x 2 cm wäre normal, hat der Arzt gesagt, aber hier steht, meine sei 5,5 cm x 4,5 cm x 3,5 cm und das wäre schon zu groß.“, fasste Herr Teusch den Arztbesuch für seine Frau zusammen. Sie stellte ihre Kaffeetasse zurück auf den Frühstückstisch und beugte sich zu ihrem Mann hinüber, um einen Blick auf den Befund der Prostatauntersuchung in dessen Hand zu werfen. Sie versuchte, sich mit ihren Zeigefingern den Abstand von 4 cm und 5 cm zu verdeutlichen. „So vielleicht und so…“, mutmaßte sie, „Stimmt das? So viel hier? Und was soll da schon so ein winziger Unterschied ausmachen zwischen gesund und krank?“
„Das ist ja nur ein Zentimeter weniger nach allen Seiten“, sagte Herr Teusch, während er in Gedanken versuchte, sich den Größenunterschied zu verdeutlichen..
„Wie groß ist eigentlich das hier? Kann man das vergleichen?” fragte Herr Teusch und griff nach dem Frühstücksei im Eierbecher vor sich.

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Schwer verletzt und eingeklemmt!

Schwer verletzt: Muss jeder wache, atmende Patient intubiert werden? Eine Studie hat eben dies 2019 untersucht. Ein Fallbeispiel.

Intubieren oder nicht?

Als Praktikant auf dem Notarzteinsatzfahrzeug

Wir hatten seit Schichtbeginn vor ein paar Stunden noch keinen einzigen Einsatz gehabt und saßen seitdem in den Wachräumen des Notarztstandortes. Durch die mittlerweile einsetzende Langeweile, begann ich mich zu fragen, ob die Erzählungen von Dr. Patrick Boretzer der einzige Praktikumsinhalt am heutigen Tage bleiben sollten.
Dr. Boretzer war bei Praktikanten einer der begehrtesten Notärzte und auch ich war froh über diese Gelegenheit, heute bei ihm lernen zu dürfen. Er war Mitte fünfzig und seit über 25 Jahren im städtischen Rettungsdienst und bei der Bergwacht als Notarzt tätig und teilte seine Erfahrung gerne auch mit angehenden Ärzten wie mir.
Momentan begann sich in mir allerdings das bedrückende Gefühl der Enttäuschung breit zu machen, denn inzwischen redete Dr. Boretzer schon seit sicher einer halben Stunde nur über eine Sache. „Schwer verletzt und eingeklemmt!“ weiterlesen

Wie McDreamy sein? – Was einen Chirurgen wirklich ausmacht

Beruf oder Berufung?

Von jedem Beruf hat man mehr oder weniger romantisierende Vorstellungen. Und jeder junge Mensch in unserer Gesellschaft steht irgendwann vor der Entscheidung, welchen Beruf er ergreifen will. Eigene berufliche Erfahrungen können zu diesem Zeitpunkt in die Entscheidung natürlich noch nicht oder kaum einfließen. Andererseits beherrschen die Klischees und Stereotypen aus Serien und Anekdoten vor allem die Vorstellungen junger Menschen der Gesellschaft.
Einige Schülerinnen und Schüler wünschen sich, Chirurg zu werden und operieren zu können. Ist daran etwas Besonderes? Ist das ein Beruf, den sich jeder einfach aussuchen kann? Wann sollte man sich diesen Beruf zum Ziel setzen und wann nicht?
Warum stellt sich die Frage überhaupt, wieso jemand Chirurg werden will? „Wie McDreamy sein? – Was einen Chirurgen wirklich ausmacht“ weiterlesen